Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Baden-Baden

Rechte Hand zum Türöffner, schauen, dann öffnen

Rechte Hand zum Türöffner, schauen, dann öffnen © Montage ADFC Baden-Baden

Holländer-Griff

Dieser Trick kann Leben retten. Mit dem „Holländischen Griff“ können Autofahrer Fahrradunfälle verhindern. Einfach und wirksam für mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

Der Schrecken eines jeden „Pedalritters“ sind sich plötzlich öffnende Türen von Fahrzeugen am Straßenrand – eine Situation, die dem Radfahrer keine Chance lässt auszuweichen. Schwere Unfälle können die Folge sein.

Sieben Prozent der Unfälle, an denen PKW und Fahrräder beteiligt waren, werden durch unaufmerksam geöffnete Autotüren verursacht.

Unfallforschung der Versicherer

Es gibt sogar einen eigenen Begriff für diese Art Unfälle: Dooring (vom englischen Wort „door“ - „Tür“). Schuld hat in den meisten Fällen der Autofahrer (oder Beifahrer). Diese Unfälle wären mit folgendem einfachen Trick ganz leicht zu vermeiden.

Man öffnet die Autotür nicht mit der Hand, die der Tür am nächsten ist, sondern mit der anderen Hand - egal, ob man Fahrer oder Beifahrer ist oder vorn oder hinten sitzt.

Bei dieser ungewohnten Bewegung dreht sich der gesamte Oberkörper und „zwingt“ den Aussteigenden gewissermaßen zum Schulterblick auf die Straße. Durch diese Bewegung sieht man rechtzeitig, ob sich ein Radfahrer im toten Winkel des Fahrzeugs nähert und kann warten, bis er vorbeigefahren ist.

In den Niederlanden – wo der Griff schon lange zum Fahrschulunterricht gehört – ist diese Art, aus dem Auto zu steigen, seit Jahrzehnten gängige Praxis. Darum wird der Griff auch als „Dutch Reach“ (auf Deutsch „holländischer Griff“) bezeichnet.

Unser Appell an Autofahrer und Autofahrerinnen:
Beim Aussteigen an den „Holländer Griff“ denken!

Die Bundesregierung plant laut Medienberichten, Türwarnsysteme in Kraftfahrzeugen verpflichtend vorzuschreiben, um Dooring-Unfälle zu verhindern. Der ADFC begrüßt den Vorstoß, betont aber: Entscheidender Hebel für die Sicherheit sind sichere Radwege.  

ADFC-Bundesgeschäftsführerin Dr. Caroline Lodemann sagt: „Es ist höchste Zeit, dass die Bundesregierung die Sicherheit von Radfahrenden verbessern will. Denn tödliche Fahrradunfälle haben in den letzten zehn Jahren zugenommen – vor allem durch schlechte Aufteilung und Gestaltung von Straßen. Moderne Fahrzeugtechnik kann helfen, menschliches Fehlverhalten im Straßenverkehr zu kompensieren. Beim Thema Dooring muss man aber genauer hinschauen: Wenn eine Person auf dem Rad durch eine unvorsichtig geöffnete Autotür stürzt, fehlt dort ein sicherer Radweg. Hier muss das Augenmerk sein: Gute Radwege müssen mit ausreichend Sicherheitsabstand zu parkenden Autos angelegt werden. Diese sogenannte ‚Dooring-Zone‘ stellt sicher, dass man auf dem Rad gar nicht erst durch die gefährliche Türzone fahren muss.“  

Dooring in Großstädten unter Hauptunfallursachen

Jedes Jahr sterben über 400 Radfahrerinnen und Radfahrer im Straßenverkehr, über 90.000 werden teils schwer verletzt. Hauptunfallgegner ist das Auto. Schwerpunkt des Unfallgeschehens sind Kollisionen an schlecht gestalteten Kreuzungen und Einmündungen. Dooring-Unfälle werden in der bundesweiten Unfallstatistik nicht gesondert erfasst. Aufschluss geben aber regionale Statistiken: In Berlin steht das „verkehrswidrige Verhalten beim Ein- und Aussteigen“ mit 435 Unfällen an dritter Stelle unter den Hauptunfallursachen gegenüber Radfahrenden. Köln zählte 2024 insgesamt 120 Dooring-Unfälle. Die Unfallforschung der Versicherer fand heraus, dass fast jeder fünfte Fahrradunfall im Zusammenhang mit parkenden Autos steht. Dooring ist ein relevantes Sicherheitsproblem, das Infrastruktur, Verhalten und Technik gemeinsam adressieren müssen.

Sichere Radwege, Dutch Reach, Fahrzeugtechnik

Der ADFC weist seit Langem auf Gefahren durch veraltete und unsichere Radinfrastruktur hin. Lodemann: „Sicheren Radverkehr gibt es nur auf guten Radwegen – doch der Ausbau der Radwegenetze kommt viel zu langsam voran.“ Kürzungen in den Etats für den Radwegebau verschärfen das Defizit. Zur Verhinderung von Dooring-Unfällen kann außerdem der „Dutch Reach“ helfen. In den Niederlanden ist es gelebte Praxis, die Autotür mit der von der Tür abgewandten Hand zu öffnen. Dabei dreht der Oberkörper automatisch nach hinten zum Schulterblick und erleichtert das sichere Türöffnen. Fahrassistenzsysteme sind ein weiterer wichtiger Baustein zur Vermeidung von Dooring-Unfällen, so der ADFC.

Rolle der Fahrzeugtechnik

Die jetzt diskutierte verpflichtende Ausstattung von Kraftfahrzeugen mit Türwarnern und einem automatischem Notstoppsystem hält der ADFC in Ergänzung zu besseren Radwegen für sinnvoll. Diese Systeme erkennen herannahende Radfahrende, warnen akustisch und können im Ernstfall die Tür kurzzeitig blockieren. Lodemann: „Wichtig ist, dass diese Systeme sowohl auf Fahrer- als auch auf Beifahrerseite eingesetzt werden. Denn Radwege verlaufen oft rechts von Kfz-Parkplätzen. Oft fehlen Radwege aber auch – und der Radverkehr wird links an parkenden Autos vorbeigeführt. Die Bundesregierung sollte Türwarnsysteme vorschreiben und gleichzeitig den Ausbau sicherer Radwege deutlich beschleunigen.“

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